Ueli Ehrler von der BZG Ehrler Hinder Stehli / Widenacherhof in Maschwanden setzt seit Juli 2026 Pflanzenkohle bei seinen Milchkühen ein. Auslöser waren akute Verdauungsprobleme in der Herde. Seine ersten Erfahrungen sind positiv und er ist gespannt, ob seine Kühe die zur Verfügung gestellte Pflanzenkohle weiterhin nutzen werden.
Starker Einbruch der Milchleistung durch Infektion
Die Betriebszweiggemeinschaft BZG Ehrler Hinder Stehli bewirtschaftet auf dem Widenacherhof in Maschwanden rund 80 Hektaren und hält 120 Milchkühe in einem Offenstall. Weitere Betriebszweige sind Ackerbau sowie in kleinerem Umfang Pferde, Ziegen und Hühner. Im Sommer 2026 erkrankte die gesamte Milchviehherde mit hohem Fieber und Durchfall, gleichzeitig brach die Milchleistung stark ein. «Einige Kühe gaben statt 60 Litern plötzlich weniger als 10 Liter Milch pro Tag. Dank der Melkroboter haben wir das schnell festgestellt», erinnert sich Ehrler.
Knifflige Fehlersuche
Zunächst suchte Ehrler die Ursache auf dem eigenen Betrieb: «Ich überprüfte die Fütterung, das Silo und fragte mich auch, ob die zahlreichen Stare im Stall das Futter verunreinigt haben könnten.» Erst im Austausch mit anderen Landwirten zeigte sich, dass zur gleichen Zeit auch auf weiteren Betrieben ähnliche Probleme auftraten. Die genaue Ursache blieb für Ehrler und seinen Fütterungsberater jedoch unklar.
Pflanzenkohle im Mischwagen und zur freien Aufnahme
Der erfahrene Landwirt reagierte mit mehreren Massnahmen. Apfelessig zur Fiebersenkung sowie Weizenkleie gegen den Durchfall und zur Vorbeugung eines Phosphormangels hatte er bereits früher eingesetzt. Zusätzlich behandelte er die Silage mit einem Siliermittel, um die Stabilität der totalen Mischration zu verbessern. Neu begann Ehrler am 10. Juli 2026 erstmals mit dem Einsatz von Pflanzenkohle von Verora. «Ich hatte schon gehört, dass Pflanzenkohle bei Verdauungsproblemen helfen kann. Einen Versuch ist es wert, dachte ich mir – und allzu teuer ist sie ja auch nicht», so Ehrler.
Die Kühe merken, was ihnen guttut
Pro Tag mischte er rund 12 Kilogramm Pflanzenkohle in die totale Mischration. Das entspricht etwa 100 Gramm pro Kuh und Tag. Zusätzlich stellte er den Kühen täglich rund zwei Kilogramm Pflanzenkohle separat zur freien Aufnahme zur Verfügung. Dabei machte er eine interessante Beobachtung: Nicht alle Kühe nahmen gleich viel davon auf. Nach seinem Eindruck bedienten sich vor allem jene Tiere stärker, die noch deutlich unter den Beschwerden litten. Die Aufnahme der Kohle war auch am Kot erkennbar, der sich grau bis schwarz verfärbte.
«Wie Salz und Mineralstoffe werde ich künftig auch die Pflanzenkohle ad libitum anbieten und beobachten, wie viele und welche Kühe sich bedienen»
Milchleistung erholte sich wieder
Mit der Pflanzenkohle besserte sich der Zustand der Tiere rasch. Die akuten Symptome verschwanden weitgehend und die Milchleistung erholte sich wieder. Der Kot blieb zunächst noch weich. Mit zunehmender Erholung stellte Ehrler fest, dass die separat angebotene Pflanzenkohle deutlich weniger nachgefragt wurde. Für ihn ist dies ein interessanter Hinweis auf das Aufnahmeverhalten der Kühe. «Wie Salz und Mineralstoffe werde ich künftig auch die Pflanzenkohle ad libitum anbieten und beobachten, wie viele und welche Kühe sich bedienen», erklärt Ehrler.
Einsatz nur bei konkretem Anlass
Für Ehrler ist Pflanzenkohle kein Futterzusatz, der dauerhaft eingesetzt werden muss: «Wenn Futterqualität, Silage und Verdauung stimmen, sehe ich keinen Grund für eine kontinuierliche Zugabe.» Seine bisherigen Erfahrungen beschränken sich zwar auf wenige Wochen in einer aussergewöhnlichen Situation. Dennoch ist er überzeugt, dass die Pflanzenkohle zur Besserung beigetragen hat. Deshalb möchte er sie künftig zur freien Aufnahme anbieten und beobachten, ob die Tiere bei Bedarf darauf zurückgreifen.
Steckbrief zum Hof
Betrieb: Betriebszweiggemeinschaft BZG Ehrler Hinder Stehli
Adresse: Rainstrase 14, 8933 Maschwanden
Fläche: rund 80 ha
Betriebszweige: Milchwirtschaft, Ackerbau, Pferde, Ziegen und Hühner
Produktionsweise: IP Suisse
