Um grössere Mengen Pflanzenkohle auf Felder auszubringen, wird sie teilweise dem Hofdünger beigemischt. Idealerweise wird die Pflanzenkohle jedoch bereits via Fütterung und Einstreu eingebracht. Eine direkte Zugabe zur Gülle ist nur zweite Wahl, da der Zusatznutzen der Pflanzenkohle so geringer ist.
In der Gülle kann Pflanzenkohle in Kombination mit einem guten Hofdüngermanagement zur Stabilisierung von Stickstoff und zu einem gesunden Mikrobiom in der Gülle beitragen und so die Qualität und die Pflanzenverträglichkeit des Hofdüngers verbessern.
Nur Pflanzenkohle mit einer Zulassung als Dünger vom Bundesamt für Landwirtschaft bzw. mit dem Qualitätsstandard EBC Agro Bio verwenden. Anbieter von Pflanzenkohle mit einer Düngerzulassung finden Sie im Anbieterverzeichnis.
Bei Pflanzenkohle aus Eigenproduktion ist die Einhaltung der Vorgaben für Futtermittel nicht mit Sicherheit gewährleistet. Im Sinne des Tierwohls wird empfohlen, zur Fütterung zertifizierte Pflanzenkohle zuzukaufen oder die Qualität der Pflanzenkohle überprüfen zu lassen. Charnet baut ein Analyseangebot auf. Mehr dazu erfahren Sie auf der Website von Charnet.
Pflanzenkohlestaub darf bei der Anwendung nicht eingeatmet werden. Um Staubbildung zu verhindern, sollte die Pflanzenkohle einen Wassergehalt von 30% aufweisen. Dieser Wert wird bei der EBC-Zertifizierung empfohlen.
Pflanzenkohle sollte geschützt gelagert werden, damit sie nicht austrocknet. Passiert dies trotzdem, sollte die Pflanzenkohle vor der Anwendung mit Wasser befeuchtet werden.
Je länger die Pflanzenkohle im System ist, desto mehr Wirkung kann sie entfalten. Deshalb sollte sie via Fütterung und in der Einstreu in die Gülle gelangen. So kann die Pflanzenkohle über die ganze Kaskade ihre Wirkung entfalten und länger mit Mikroorganismen interagieren.
Die direkte Zugabe von Pflanzenkohle ist gegenüber der Kaskadennutzung klar die Methode zweiter Wahl. Von Herstellern empfohlen wird eine Dosierung von 1 m3 pro 100 m3 Gülle. Folgendes gilt es dabei zu beachten:
Aktuell gilt beim Einsatz von Pflanzenkohle in der Landwirtschaft eine Mengenbeschränkung von 1 Tonne pro Hektar und Jahr, maximal 10 Tonnen pro Hektar in 20 Jahren. Wird Pflanzenkohle bereits in der Fütterung bzw. in der Einstreu verwendet, sind diese Mengen einzurechnen.
Bei der von Herstellern empfohlenen Dosierung von 1 m3 pro 100 m3 Gülle und einem Tierbesatz von 2 GVE pro Hektar summiert sich die Ausbringmenge auf rund 0,2 Tonnen pro Hektar und Jahr.
(Annahmen der Berechnung: 25–30 m³ Gülle pro GVE und Jahr, 2 GVE pro ha, Pflanzenkohle-Dichte von etwa 0,4 t/m³)
Viele Landwirte verwenden Pflanzenkohle zusammen mit Milchsäure (z.B. Sauerkrautsaft oder EM, die unter anderem Milchsäurebakterien enthalten), um den pH-Wert der Gülle zu senken und das Mikrobiom der Gülle zu beeinflussen.
Diese Kombination empfiehlt Hans-Peter Schmidt vom Ithaka-Institut. Wichtig dabei ist, dass das Güllelager bei der ersten Anwendung fast vollständig geleert wird. Eine detaillierte Anleitung sowie eine Erklärung zur Wirkung sind im Ithaka-Journal zu finden.
Praxiserfahrungen zeigen, dass Gülle mit Pflanzenkohle eine spürbar bessere Qualität aufweist, insbesondere:
Die Zugabe von Pflanzenkohle allein macht aus einer schlechten Gülle mit Fäulnis noch keinen guten Hofdünger. Sie ist ein Hilfsmittel, das es zusammen mit anderen Praktiken anzuwenden gilt (vgl. Praxistipp).
Generell ist für das gesamte Hofdüngermanagement die Mikrobiologie in der Gülle entscheidend. Dabei können Milchsäurebakterien Fehlgärungen reduzieren und die Gülle stabilisieren. Pflanzenkohle kann durch ihre poröse Struktur und elektrische Leitfähigkeit das Milieu für nützliche Mikroorganismen verbessern. Dadurch vermehren sich Milchsäurebakterien, während Fäulnisbakterien gehemmt werden.
Pflanzenkohle in der Gülle kann zu einer deutlichen Reduktion des Geruchs führen. In der Praxis hängt der Effekt stark von den Bedingungen ab – von der Dosierung, der eingesetzten Pflanzenkohle und der Art des Hofdüngers. So zeigte sich, dass die Wirkung bei Rindergülle deutlich stärker ist als bei Schweinegülle.
Die Geruchsreduktion ist vor allem auf die Adsorption von organischen Säuren zurückzuführen. Als Anzeichen für eine verminderte Ammoniakausgasung ist die Geruchsreduktion hingegen nicht zu deuten. Ammoniak selbst ist geruchlos, wird aber in Verbindung mit anderen Gärgasen als stechender Geruch wahrgenommen.
Ob Pflanzenkohle während der Hofdüngerlagerung die Ammoniakemissionen reduzieren kann, ist unklar. Verschiedene Studien, bei denen Pflanzenkohle direkt in die Gülle gemischt wurde, ergaben sehr variable Resultate, von einer Erhöhung der Emissionen bis zu einer Reduktion.
Studien zu Hofdünger, der via Fütterung oder Einstreu mit Pflanzenkohle angereichert wurde, gibt es nur wenige. Eine Untersuchung mit Hühnermist zeigte keine Reduktion der Ammoniakemissionen während der Mistlagerung, nachdem die Emissionen im Stall durch die Pflanzenkohle in der Einstreu deutlich gesunken waren.
Pflanzenkohle kann über unterschiedliche Prozesse auf die Ammoniakemissionen wirken. Teilweise laufen sich diese auch entgegen. Insbesondere der hohe pH könnte andere, emissionsmindernde Wirkungen der Pflanzenkohle eindämmen oder sogar zu einer höheren Ausgasung führen. Hinzu kommt, dass Gülle je nach Tierart, Fütterung und Stall sehr unterschiedlich ist. Eine reproduzierbare Wirkung nachzuweisen, ist deshalb sehr schwierig.
Laufende Studien zum Thema
Im Rahmen des Projekts „Charclim“, das vom Kanton Aargau und vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt wird, untersucht das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) die Wirkung von Pflanzenkohle in der Gülle auf die Ammoniakemissionen. Vorläufige Zwischenresultate deuten darauf hin:
Abschliessende Resultate sind im Verlauf des Jahres 2026 zu erwarten.
Zu Lachgasemissionen während der Hofdüngerlagerung sind keine Studien bekannt. Bei der Ausbringung von Gärgülle mit Pflanzenkohle gibt es Hinweise auf eine emissionsmindernde Wirkung von Pflanzenkohle.
Die Methanemissionen während der Lagerung können durch Zugabe von Pflanzenkohle signifikant gesenkt werden, bei Gärgülle ist dieser Effekt noch ausgeprägter. Bei der Ausbringung von Gärgülle mit Pflanzenkohle können die Methanemissionen unmittelbar nach der Ausbringung jedoch steigen. Der Mechanismus ist noch nicht klar. Wahrscheinlich heben sich diese Effekte in der Summe auf.
Wie Pflanzenkohle im Boden wirkt, erfahren Sie in den Kapiteln Ackerbau & Wirkung im Boden.
Eine Liste mit wissenschaftlichen Publikationen, Übersichtsstudien und weiteren Quellen finden Sie auf der separaten Seite Quellenverzeichnis.
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Risiken im Griff
Pflanzenkohle ist über Jahrzehnte bis Jahrhunderte stabil. Vorbehalte, dass mit der Pflanzenkohle Schadstoffe in den Boden eingetragen werden und sich dort kumulieren, sind aufgrund der Klärschlammproblematik verständlich – bei Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften jedoch kein Problem.
Lesen Sie, wie Landwirte Pflanzenkohle anwenden, welchen Nutzen sie beobachten und wie sie die Wirtschaftlichkeit beurteilen.
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