Am häufigsten wird Pflanzenkohle in der Schweizer Landwirtschaft in der Tierhaltung eingesetzt, mit dem Ziel, die Gesundheit der Tiere zu verbessern bzw. Krankheiten vorzubeugen. Positive Wirkungen sind nachgewiesen, Risiken wurden kaum beobachtet. Allerdings darf die Fütterung von Pflanzenkohle Massnahmen für eine hohe Futtermittelqualität und einen hohen Tierschutzstandard nicht ersetzen.
Pflanzenkohle mit dem Qualitätsstandard EBC Futter Plus und EBC Futter erfüllen die gesetzlichen Anforderungen an die Fütterung. Empfohlen wird der strengere Standard EBC Futter Plus, da dieser auch die Anforderungen der Düngerverordnung erfüllt. Denn die Futterkohle gelangt über den Kot in den Mist bzw. die Gülle und schlussendlich in den Boden. Anbieter von zertifizierter Pflanzenkohle für die Fütterung finden Sie im Anbieterverzeichnis.
Bei Pflanzenkohle aus Eigenproduktion ist die Einhaltung der Vorgaben für Futtermittel nicht mit Sicherheit gewährleistet. Im Sinne des Tierwohls wird empfohlen, zur Fütterung zertifizierte Pflanzenkohle zuzukaufen oder die Qualität der Pflanzenkohle überprüfen zu lassen. Charnet baut ein Analyseangebot auf. Mehr dazu erfahren Sie auf der Website von Charnet.
Pflanzenkohlestaub darf bei der Anwendung nicht eingeatmet werden. Um Staubbildung zu verhindern, sollte die Pflanzenkohle einen Wassergehalt von 30% aufweisen. Dieser Wert wird bei der EBC-Zertifizierung empfohlen.
Pflanzenkohle sollte geschützt gelagert werden, damit sie nicht austrocknet. Passiert dies trotzdem, sollte die Pflanzenkohle vor der Anwendung mit Wasser befeuchtet werden.
Die Pflanzenkohle wird den Tieren in einem separaten Trog oder Eimer zur freien Verfügung gestellt. Wie viele Landwirte berichten, scheinen die Tiere von der Pflanzenkohle zu fressen, wenn sie Bedarf haben. Erfahrungen zeigen, dass Geflügel so mehr Pflanzenkohle aufnehmen, als wenn es im Futter beigemischt wird.
Die Pflanzenkohle kann dem Futter oder der Milch fix beigemischt werden. Eine Wirkung tritt bereits ab einer Menge von 0,5 % (Gewichtsprozent an der Trockensubstanz) ein.
Mit einer regelmässigen Pflanzenkohle-Zugabe von 1 % an der Futterration (Gewichtsprozent an der Trockensubstanz) wird bei Ausbringung des Hofdüngers eine jährliche Ausbringrate von rund 0,5 Tonnen Pflanzenkohle pro Hektar erreicht, bei einem Tierbesatz von zwei Grossvieheinheiten pro Hektar.
Jungtiere sind besonders anfällig auf Durchfallerkrankungen. Der Einsatz von Pflanzenkohle zeigt in der Praxis eine gute Wirkung in der Absetzphase der Ferkel- und Kälberaufzucht.
Müssen die Tiere mit Antibiotika oder anderen Medikamenten behandelt werden, kann Pflanzenkohle deren Wirksamkeit reduzieren. Ein Unterbruch der Kohlegabe ist deshalb nachdrücklich zu empfehlen.
Zahlreiche Studien, Praxiserfahrungen und Praxisversuche weisen positive Wirkung von Pflanzenkohle auf die Tiergesundheit aus. Insbesondere ist eine Reduktion von Durchfallerkrankungen bei Schweinen und Wiederkäuern, sowie eine Reduktion der Zellzahl in der Milch dokumentiert. Bei Geflügel wird in Praxisversuchen von verbesserter Fussballengesundheit, einer geringeren Mortalität und einer Mast ohne Antibiotika und Kokzidiostatika berichtet.
Gute Ergebnisse werden in der Praxis bei Tieren mit gesundheitlichen Problemen und bei empfindlichen Jungtieren erzielt, vor allem in der Absetzphase von Ferkeln oder Kälbern. Bei gesunden Tieren wurde in zeitlich limitierten wissenschaftlichen Fütterungsversuchen keine signifikante Verbesserung von Gesundheitsparametern bei Tieren mit Pflanzenkohle-Fütterung festgestellt. Auf lange Frist zeigen Praxisberichte aber eine verbesserte allgemeine Tiergesundheit mit weniger Krisen und weniger Erkrankungen. Wissenschaftliche Vergleichsstudien dazu fehlen jedoch.
Pflanzenkohle hat eine grosse Oberfläche, die Stoffe adsorbieren kann und sie ist sehr porös und kann wie ein Schwamm wirken und (bio)chemische Effekte puffern. Über welche Wege Pflanzenkohle wirkt, wurde in verschiedenen Studien untersucht. Teilweise handelt es sich dabei um Laborstudien und / oder es wurde Aktivkohle eingesetzt, deren Adsorptionswirkung deutlich höher ist als diejenige von unbehandelter Pflanzenkohle. Die Resultate lassen sich deshalb nicht direkt auf die Praxis bzw. auf den Einsatz von unbehandelter Pflanzenkohle übertragen.
Die Studien deuten darauf hin, dass Pflanzenkohle als Futterzusatz das Milieu im Verdauungstrakt beeinflussen kann, sodass gram-negative Bakterien wie E. Coli gegenüber gram-positiven Bakterien eher unterdrückt werden. Zudem kann Pflanzenkohle Stoffwechselprodukte von Krankheitserregern und gewisse schädliche Mykotoxine adsorbieren. Es gibt auch Hinweise, dass Pflanzenkohle schädliche Pestizide und Umweltgifte binden und so deren Aufnahme durch das Tier verhindern könnte.
Grundsätzlich ist eine Fütterung mit Pflanzenkohle über mehrere Monate sicher und gefährdet das Tierwohl nicht, wie eine Metaanalyse zu 112 wissenschaftlichen Studien zeigt. Das Risiko, dass die Aufnahme von Nähr- und Spurenstoffen beeinträchtigt wird, weil Pflanzenkohle diese ebenfalls bindet, ist gering. Bei einer ausgewogenen Ernährung und bis zu einer Dosierung von 1% der Trockensubstanz zeigten wissenschaftliche Studien keine negativen Effekte. Bei fettlöslichen Vitaminen kann die Aufnahme jedoch reduziert sein (mehr dazu im Reiter „Erträge“).
Wird Pflanzenkohle während einer Behandlung mit Medikamenten zugefüttert, könnte sich deren Wirksamkeit reduzieren.
Leistungssteigerungen durch eine regelmässige Zufütterung von Pflanzenkohle sind in einigen Studien und Praxisversuchen mit unterschiedlichen Tierarten dokumentiert. Ebenso gibt es aber auch Studien, die keine Effekte ausweisen. In der Tendenz zeigen sich bei Milchkühen und Rindern kaum Veränderungen in der Milchleistung bzw. der Gewichtszunahme. Hinweise auf eine Leistungssteigerung gibt es bei Geflügel (Eigrösse, Futtereffizienz, Mastendgewicht).
Grundsätzlich ist eine Steigerung der durchschnittlichen Leistung einer Tierherde erklärbar durch eine Reduktion von Krankheitsfällen, weniger Krisen und Tierabgängen. Auch eine direkte Wirkung der Pflanzenkohle auf die Verdauung wird diskutiert. Eine Hypothese ist, dass Pflanzenkohle die Verdauungsreaktion durch ihre elektrochemischen Eigenschaften beeinflussen kann. Pflanzenkohle, die bei Temperaturen von über 600°C hergestellt wurde, ist ein guter elektrischer Leiter. In mikrobiellen Abbauprozessen während der Verdauung kann sie Elektronen aufnehmen und abgeben und die Abbaureaktionen fördern. Dadurch könnten sich die Energieausbeute und die Futtereffizienz erhöhen.
Leistungseinbussen wurden bei einer Zufütterung von Pflanzenkohle mit einer Dosierung bis 1 % (Gewicht/Trockensubstanz) an der Futterration bei Rindern und Schweinen kaum beobachtet. Langfristig sehr hohe Dosierungen können leistungsmindernd wirken, wie ein Fütterungsversuch mit 3% Pflanzenkohle bei Mastferkeln zeigte.
In einer Studie mit Legehennen zeigte allerdings bereits bei einer Dosierung von 0,5 % an der Futterration (Trockensubstanz) eine Abnahme des fettlöslichen Vitamin-E-Gehalts in den Eiern, was auf eine schlechtere Verfügbarkeit des Vitamins hindeutet. Andere, fettlöslichen Vitamine wurden nicht beeinflusst.
Die alleinige Zufütterung von Pflanzenkohle (1%) kann die Methanemissionen von Rindern nicht signifikant senken.
Die Futterkohle wird während des Verdauungsvorgangs nicht abgebaut, sondern mit dem Kot wieder ausgeschieden. Über Hofdünger gelangt sie schliesslich in den Boden.
Wie die Pflanzenkohle im Boden wirkt, erfahren Sie im Kapitel Ackerbau & Wirkung im Boden.
Eine Liste mit wissenschaftlichen Publikationen, Übersichtsstudien und weiteren Quellen finden Sie auf der separaten Seite Quellenverzeichnis.
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Risiken im Griff
Pflanzenkohle ist über Jahrzehnte bis Jahrhunderte stabil. Vorbehalte, dass mit der Pflanzenkohle Schadstoffe in den Boden eingetragen werden und sich dort kumulieren, sind aufgrund der Klärschlammproblematik verständlich – bei Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften jedoch kein Problem.
Lesen Sie, wie Landwirte Pflanzenkohle anwenden, welchen Nutzen sie beobachten und wie sie die Wirtschaftlichkeit beurteilen.
Lesen Sie, wie Landwirte Pflanzenkohle anwenden, welchen Nutzen sie beobachten und wie sie die Wirtschaftlichkeit beurteilen.